Muttertag 1944

Eine leider wahre Begebenheit, an die ich mich immer am Muttertag erinnere.

Ich, der sonst recht aufgeweckt,
war doch ziemlich aufgeregt,
denn man hat mir aufgetragen
laut ein Verslein aufzusagen.

Blumen hatte ich versteckt,
dass sie Mutter nicht entdeckt.
Das Versteck in meinem Fall
war der dunkle Ziegenstall.

Mutter stand, sichtlich bewegt.
Ich, vom Geißbock abgeleckt,
sprach das Verslein, stotternd, leise,
mit rotem Kopf stand ich im Kreise,
weil ich die Blumen nicht vergessen,
sie hat der Geißbock aufgefressen!

Und weil ich deshalb bitter weinte,
nahm Mutter meine Hand, und meinte:
Mein liebes Kind, ich konnt‘ sie sehen,
die Blümelein im Stalle stehen.
Der Bock hat dich lieb abgeschleckt,
weil du sie nicht vor ihm versteckt.
Nun setz dich hin, mein liebes Kind.
Vergiss, wie frech die Ziegen sind.
Und hör, was ich dir heute sag
an diesem schönen Muttertag,
am Tag der für uns Mütter ist:
Ich hab dich lieb, so wie du bist!
Willst auch den Bock vermaledeien,
lass uns gemeinsam ihm verzeihen.

Und was zum Verslein noch zu sagen,
das du mir artig vorgetragen,
es war so lieblich und so rührend,
dem „Mutter-Ehrentag“ gebührend!

Ich war erleichtert, und vergaß,
dass mein Geschenk der Geißbock fraß!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*